Arbeiten unter sterilen Bedingungen

Sowohl bei der symbiotischen als auch bei der asymbiotischen Aussaat unter sterilen Bedingungen ist es elementar, dass alle Nährböden, Samen, Gläser und Werkzeuge frei von Pilzen (Sporen) und Bakterien bleiben. Sobald Bakterien oder Pilzsporen in die Kulturgläser gelangen, wachsen diese viel schneller als die Orchideensamen, was letztendlich dazu führt, dass die Samen abgetötet werden. Um solche Kontaminationen zu vermeiden, werden die Nährböden im Druckkochtopf durch Einwirken von Hitze und Druck keimfrei gemacht (sterilisiert). Samen oder Pflanzenteil, die auf den Nährboden gebracht werden sollen, müssen mit einer Desinfektionslösung gereinigt und danach in einem sterilen Umfeld auf den Nährboden gebracht werden. Gängige Sterilisationsflüssigkeiten sind beispielsweise Wasserstoffperoxid, chlorhaltige Haushaltsreiniger und Alkohol. Für das Schaffen eines sterilen Arbeitsbereichs gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Sterile Werkbank (laminar flow hood):

Die sterile Werkbank besteht aus einer Kabine und einer Lüftungseinheit. In der Lüftungseinheit wird die Luft durch einen speziellen, sehr feinen Filter (HEPA Filter) gedrückt und dadurch von Keimen und Sporen befreit. Die so sterilisierte Luft strömt dann durch die Kabine (vertikal oder horizontal) und sorgt so für ideale Arbeitsbedingungen. Bei Inbetriebnahme der sterilen Werkbank werden die Innenseiten der Kabine mit Desinfektionslösung abgewischt um dort befindliche Keime und Sporen zu vernichten. Der "Nachteil" der sterilen Werkbank sind die recht hohen Anschaffungskosten dafür erhält man einen sehr großen keimfreien Arbeitsbereich in de es sich angenehm arbeiten lässt. Detailierte Informationen zur Funktion und dem Selbstbau einer sterilen Werkbank gibt es hier.

sterile Werkbank

Modifiziertes Aquarium (glove box):

Die kostengünstigere Variante gegenüber der sterilen Werkbank ist das Verwenden einer Glasbox (Aquarium mit zusätzlicher Glasfront), die an ihrer Front zwei Löcher hat, in denen ein Paar Handschuhe montiert sind. Es werden alle Geräte, Kulturgläser, Samen usw. vor dem Aussäen in die Box gestellt und die Box danach dicht verschlossen. Der Inhalt der Box wird mit einer Desinfektionslösung ausgesprüht und dadurch sterilisiert. Die Hände werden in die Handschuhe durch die Front gesteckt und können so im sterilen Raum hantieren.
Das Problem bei dieser Methode ist, dass man mit dem Sterilisieren der Glove Box von Vorne beginnen muß, wenn man während dem Arbeiten in der Box noch etwas braucht das aber nicht in der Box ist.

Glove Box

Arbeiten über Wasserdampf:

Dies ist wohl die kostengünstigste Variante um Daheim Orchideen unter sterilen Bedingungen zu vermehren. Bei dieser Technik wird ein Kochtopf mit möglichst großem Durchmesser mit Wasser befüllt und dieses zum Kochen gebracht. Der aufsteigende Wasserdampf ist steril und dient als steriler Arbeitsbereich. Sehr zu empfehlen ist beim Arbeiten im Wasserdampf die Verwendung von Gummihandschuhen und einem Drahtgitter, das auf dem Topf liegt und als Ablagefläche dient. Geöffnete Kulturgläser (und deren Deckel) sowie desinfizierte Samen dürften den aufsteigenden Wasserdampf solange nicht verlassen bis die Samen in den Gläsern sind und diese dicht verschlossen sind.

Arbeiten im Wasserdampfstrom

Autor: Thomas Ederer