Fettkraut gemeinsam mit Orchideen kultivieren

Vor einigen Jahren haben wir in einem Baumarkt ein Fettkraut (Pinguicula) gekauft und pflegen es seitdem gemeinsam mit unseren Orchideen auf der Fensterbank. Fettkräuter gehören zu der Gruppe der fleischfressenden Pflanzen. Die Oberseite ihrer Blätter ist mit unzähligen klebrigen Tröpfchen versehen, an denen Insekten kleben bleiben. Die gefangenen Tiere werden an Ort und Stelle verdaut und sorgen so für die Ernährung der Pflanze. Nachdem unsere Pflanze sehr pflegeleicht ist und jeden Sommer über Monaten hinweg blüht, möchten wir uns hier mit der Pflege des Fettkrautes befassen. Auf dem folgenden Foto ist die Pflanze im Sommer zu sehen.

Fettkraut im SommerFettkrautblüte

Fettkraut aus dem Baumarkt im Sommer

Pflege im Sommer

Die Pflanzen stehen bei uns auf einem nach Nordosten ausgerichtenen Fensterbrett und bekommen in den Morgenstunden direkte Sonne. Da die Pflanzen nicht gerne austrocknen, gießen wir im Sommer im Anstauverfahren. Das bedeutet, dass wir immer dafür sorgen, dass im Untersetzer etwa 5mm Wasser vorhanden ist. An die Wasserqualität stellt diese Fettkrautart im Gegensatz zu den meisten anderen fleischfressenden Pflanzen geringe Ansprüche. Bei uns bekommt sie meistens Regenwasser, aber sie verträgt durchaus auch Leitungswasser. Düngen sollte man die Pflanzen nicht. Den Sommer über blühen die Pflanzen ohne Unterbrechung und fangen jede Menge kleine Insekten.

Fettkraut mit gefangenen Insekten

Fettkraut mit gefangenen Insekten

Pflege im Herbst

Im Herbst werden die Blüten langsam weniger und neue Blätter werden kaum noch gebildet. Die Pflanze bereitet sich auf ihre winterliche Ruhepause vor, indem die Blattrosetten kompakter werden. Gegossen werden unsere Pflanzen ab jetzt nicht mehr mit dem Anstauverfahren. Der Pflanzstoff sollte immer feucht bleiben.

Pflege im Winter

Im Winter ruhen die kompakten Rosetten in den Töpfen. Es entstehen kaum neue Blätter und Blüten. Jetzt gilt es den Pflanzstoff feucht zu halten und bis zum Frühjahr abzuwarten. In dieser Zeit fangen die Pflanzen keine Insekten, da die Blätter kaum klebrige Tröpfchen produzieren.

Fettkraut im Winter

Fettkraut im Winter

Pflege im Frühling

Ende Februar / Anfang März ist es an der Zeit die Pflanzen umzutopfen und bei der Gelegenheit auch gleich zu vereinzeln. Dabei hebt man die meist sehr lose verankerten Pflanzen aus ihren Töpfen, entfernt alle alten vertrockneten Blätter und setzt sie in frisches Substrat ein. Das folgende Foto zeigt eine gereinigte Rosette vor dem Eintopfen.

gereinigte Rosette vor dem Eintopfen

gereinigte Rosette vor dem Eintopfen

Im Gegensatz zu den meisten anderen fleichfressenden Pflanzen mögen unsere Fettkräuter sogar ganz normale Blumenerde und wachsen darin schon seit Jahren zu wahren Riesen heran. Gegossen werden bei uns die Pflanzen so stark, dass sie immer feucht sind. Zum Anstauverfahren wechseln wir im Sommer.

Frisch getopfe Fettkräuter im Februar/März

Frisch getopfte Fettkräuter im Februar/März

Zusammengefasst kann man sagen, dass es sich bei dieser Art des Fettkrauts um eine sehr robuste und dankbare Pflanze handelt. Sie blüht den ganzen Sommer über und fängt fleißig kleine Insekten.

Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die hier beschriebene Kulturvariante bei diesem Fettkraut sehr gut funktioniert. Die meisten anderen fleischfressenden Pflanzen stellen deutlich höhere Ansprüche an den Pflanzstoff und das Gießwasser (geringe Nährstoffgehalt) und würde diese Behandlung nicht lange überstehen.


Autor: Thomas Ederer